“Ein bittersüßer Tag“: Bergdoktor-Star Ronja Forcher ist ein letztes Mal bei „Immer wieder sonntags“

Sie waren jetzt drei Staffeln in Folge als Außenmoderatorin bei „Immer wieder Sonntags“ dabei, um für die Aktion „Herzensmenschen“ Ehrenamtliche in ganz Deutschland auszuzeichnen. Wie ist es eigentlich dazu gekommen?

RONJA FORCHER: Ich liebe es, Neues auszuprobieren und bei mir gibt es eigentlich nichts, wo ich sage: „Nö, das kann ich nicht und deswegen mache ich es nicht.“ Ich war schon viele Jahre vor meiner Aufgabe als Außenmoderatorin bei „Immer wieder Sonntags“ bei Stefan Mross in seiner Show, ich hatte auch schon in der Showküche gekocht und stand, wie heute auch, musikalisch auf der Bühne. Die Produktion hat gesagt: „Ronja, das funktioniert so gut zwischen euch und die Chemie stimmt.“ Dann hatten wir die Idee, diese Rolle auszubauen. Und ich habe gesagt: „Lasst uns doch Danke sagen.“ Es gibt so viele Menschen, die ein Dankeschön verdienen. Und das Vertrauen vom SWR, von der Produktionsfirma und vom Stefan war da, das auszuprobieren. Seitdem war ich auf Reisen durch Deutschland. Das war eine Riesenehre für mich, dass ich das machen durfte und es hat jedes Jahr wunderbar funktioniert. Moderationen mache ich sowieso sehr gerne.

Sie haben so viele Menschen getroffen, besondere Projekte kennengelernt. Was bleibt besonders in Erinnerung?

FORCHER: Jede Begegnung ist sehr besonders, weil man sieht, wie viele tolle Menschen es gibt. Dieses Jahr war ich in Fürstenwalde bei Berlin in einem Altersheim. Ein Bewohner, der Herr Grünberg, hat seiner Pflegerin gedankt, der Antonia. Sie war unser Herzensmensch und sehr inspirierend. Aber besonders ergriffen hat mich die Begegnung mit dem Herrn Grünberg. Er ist 99 Jahre alt und ich habe viel Zeit mit ihm verbracht. Er malt jeden Tag in seinem Zimmer, er geht jeden Tag spazieren, er hat einen regen, sozialen Austausch. Er hat gesagt, dass man auch mit 99 noch lange nicht fertig ist mit dem Leben. Das hat mich so bewegt. Er wird jetzt im Oktober 100 Jahre alt und hat so eine Lebenskraft und Lebensfreude. Er hat gemeint, wenn er könnte, würde er jetzt auch noch gerne reisen, aber es geht nicht mehr. Und das hat mich begleitet, weil ich ja den ganzen Sommer unterwegs bin. Oft ist es auch anstrengend, aber ich habe immer wieder gedacht: „Schau mal, der Herr Grünberg würde jetzt auch gern in den Zug steigen und in die andere Ecke Deutschlands fahren dürfen.“ Das hat mich total verändert, diese Begegnung. Das bleibt mir sehr in Erinnerung.

Das heißt also, Sie ziehen aus diesen Begegnungen auch für sich persönlich etwas heraus?

FORCHER: Es ist immer wieder schön, wie selbstlos Menschen sein können und was Ehrenamt bedeutet – für die Menschen, aber auch für die Gesellschaft, für die Städte und die Vereine. Das ist einfach was ganz Tolles. Ich ziehe meinen Hut vor jedem, der seine Freizeit nutzt für das Wohl der Allgemeinheit.

Sie überraschen die Menschen live im Fernsehen. Gab es da auch mal eine Panne?

FORCHER: An sich hat alles immer wunderbar geklappt, aber natürlich haben wir auch mal geschwitzt. Es geschieht ja alles live und man weiß nie, was passieren kann (lacht). Ich habe einen kleinen Stöpsel im Ohr und bin darüber mit der Regie verbunden. Die sagen dann: „Ronja, in 30 Sekunden bist du dran“ oder zählen runter. Wir mussten uns ja verstecken, weil die Herzensmenschen in der Nähe waren und wir nicht wollten, dass sie uns schon sehen. Das sollte ja gefilmt werden. Deswegen waren wir oft irgendwo hinter einem Busch versteckt. Einmal mussten wir in einen Innenhof gehen, auf Position. Dann war aber das Tor abgesperrt, wir haben dran gerüttelt und die Regie sagte schon: „Ronja, gleich bist du dran.“ Da schlägt der Puls bis zu den Ohren. Es ist immer aufregend, aber das liebe ich an Live-Situationen. Du weißt nie, was dich erwartet, es ist jedes Mal anders. Es kann auch mal was schiefgehen, aber das ist das, was so Spaß macht. Aber am Ende war alles immer gut und keiner hat was gemerkt. Wir waren immer ein sehr gutes Team vor Ort.

Als Schauspielerin können Sie eine Szene nochmal filmen, wenn etwas nicht klappt. Was konnten Sie aus der Aufgabe mitnehmen in andere Jobs?

FORCHER: Dadurch, dass ich Stefans Arbeit intensiv beobachtet habe, konnte ich mir diese Lockerheit und Schlagfertigkeit abschauen. Egal, was passiert: Du darfst nie erstarren, du musst immer reagieren. Das hilft im Beruf, aber auch im privaten Leben: einfach immer weiterzumachen. Da ist der Stefan das beste Beispiel, der weiß ja immer, was er zu sagen hat, egal mit was er konfrontiert ist. Das kommt mit der Zeit und mit der Erfahrung. Inzwischen habe ich vor nichts Angst: Es kann nichts passieren. Hauptsache, man reagiert, dann lachen die Leute und dann ist eh alles gut.

Wie würden Sie Ihre Verbindung zu Stefan Mross beschreiben?

FORCHER: Ich habe einfach den größten Respekt vor Stefan. Wie er das meistert, wie er diese Sendung trägt seit so vielen Jahren, wie er sein Publikum kennt, das ist wirklich sehr beeindruckend. Es freut mich, dass Stefan dieses Vertrauen in mich hatte und auch die Größe, mir diesen Raum zu geben an seiner Seite mitzuarbeiten. Er war immer mein Unterstützer und das von Anfang an. Wir haben uns mal getroffen zum Abendessen mit seiner Frau Eva. Da hat er mich gefragt, ob es mir gut geht mit der Rolle, ob es Spaß macht, ob er mir helfen kann. Es beeindruckt mich sehr, dass er so am Boden geblieben ist und einfach ein richtig entspannter, cooler Typ ist.

Sie haben am Anfang dieser Staffel „Immer wieder sonntags“ Ihre neue Single „Herzensmensch“ hier in der Sendung präsentiert. Was hat Ihnen „Immer wieder sonntags“ bedeutet?

FORCHER: Diese Sendung ist eine wundervolle Art, mich mit dem Publikum zu verbinden. Ich finde es schon schade, dass man diesem Publikum, das sehr treu ist und sehr offenherzig sagt: „Wir lieben diese Musik, wir mögen solche Künstler“, dass man denen eine Sendung wegnimmt, die sie seit vielen Jahren sehr gerne schauen. Ich bin gespannt darauf, was das bedeuten wird, für die Livemusik, für den Schlager, aber natürlich auch für das Publikum.

Wie emotional war der letzte Auftritt für Sie?

Immer wieder sonntags

FORCHER: Wenn du auf der Bühne stehst und ein Lied singst, dann weißt du: Genauso wird es nie wieder sein. Genau auf dieser Bühne werde ich nicht mehr stehen. Das gehört zum Leben dazu und das ist mir auch bewusst. Man merkt einfach hinter den Kulissen, dass die Menschen so viel mit dieser Sendung verbinden. Stefan als Frontmann ist natürlich die Gallionsfigur vorne. Aber das gesamte Team ist teilweise seit Jahrzehnten dabei. Für die ist das ein bittersüßer Tag, das merkt man einfach. Die Stimmung ist emotional.

Sie haben ja auch noch viele andere Projekte, „Der Bergdoktor“ geht auch weiter. Können Sie sich vorstellen, noch mal so eine Moderationsaufgabe zu übernehmen?

FORCHER: Auf jeden Fall. Das macht mir irrsinnig viel Spaß und ich bin sehr gespannt, was dieses Jahr und auch das kommende Jahr noch alles so bringt. Ich bin wirklich dankbar, dass ich mich immer wieder neu ausprobieren darf und mir Verantwortung geschenkt wird von Sendern, von Redaktionen, von Produktionen. Das ist für mich eine große Ehre, weil ich so viel Freude an diesem Beruf hab. Ich liebe es, Menschen zu unterhalten. Deswegen wird es auf jeden Fall Teil von meinem Leben bleiben.

Zur Person

Ronja Forcher (30) wurde 2008 als Lilli Gruber in der ZDF-Serie „Der Bergdoktor“ bekannt, neue Folgen werden gerade gedreht. Die Österreicherin verfolgt auch eine Karriere als Schlagersängerin, in diesem Jahr erschien ihre neue Single. Fans können Forcher beim Bergfest der Serie am 10. September in Söll am Wilden Kaiser treffen. Am 14. Oktober veranstaltet sie eine Fanwanderung mit anschließendem Konzert in Ellmau am Wilden Kaiser.

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